Unsere Bogenübung wird bereichert und vertieft durch einen klaren und immer gleichen Ablauf. Wenn wir lernen, die einzelnen Schritte spielerisch zu gehen, ist dies zweckmäßig und hilfreich, zugleich aber auch ästhetisch, weil befreiend – und so wächst die Kunst des Bogenschießens.

Bei aller Eindeutigkeit der einzelnen Stufen wollen wir darauf achten, dass die Übergänge fließend ineinander übergehen.

1. Anfangsritual: Stehen am Wolkentor, bewusste Haltung von Bogen und Pfeile, Fokus
auf diesen Moment, Sammlung, Gong, bewusstes Gehen mit linkem Fuß zuerst, klarer
Schritt in einer Linie.
Ankommen vor dem Lehrer, gemeinsame Verneigung, Rechtsdrehung, gerade Linie
finden, weiter gehen.

2. Ankommen wenige Meter vor der Scheibe, relativ eng stehen in einer Linie,
gemeinsame Verneigung, auseinander und weiter zurück gehen, Schussposition finden,
parallel zur Schussrichtung, schulterbreit, Zehen evtl. 10 cm nach außen.

3. Pfeile in Gürteltasche stecken. Wir nehmen bewusst den ersten Pfeil und schieben ihn
beim Übergang von Nocke/Schaft mit Daumen und Zeigefinger von hinten über die
Bogenhand. Der Kopf ist leicht gesenkt und die Augen beobachten was geschieht.
Führungsfeder beachten. Der Bogen ist dabei nach unten gerichtet und steht bereits in
dem Winkel, wie er später geschossen wird.

4. Zug- und Druckhand einrichten. Beide Oberarme sind angewinkelt und liegen dicht am
Körper, Oberkörper ist aufgerichtet, die Zughand, bzw. Handgelenk berührt im Idealfall den
Bereich unterhalb des Nabels, etwa 2-3 cm. Pfeil, Zughand, Unterarm und Ellbogen sind in
einer Linie, die auch während der weiteren Übung nicht verlassen wird.

5. Sammlung. Vielleicht der schwierigste Moment. Alles ist fertig. Körperchecking.
Gleichmäßige Gewichtsverlagerung. Knie sind entriegelt, d.h. nicht durchgestreckt, aber
auch nicht gebeugt. Hüftstellung überprüfen, Hüfte steht parallel zu den Füßen. Aufrechte
Körperhaltung, imaginäre Schnur zieht am Kopf nach oben, beim Ausatmen Schultern tief
sinken lassen, dabei langen Nacken machen, der Kopf bleibt gerade. Bewusst den Atem
fließen lassen in den Boden hinein, dabei immer mehr stabil werden, so zwei Atemzüge.

6. Kopfdrehen, Zielpunkt kommt ins Auge.

7. Durch Drücken und Ziehen, parallel den Bogen öffnen und dabei ausatmen, Bogen- und
Zughand gehen langsam nach oben, Schultern runter, Stabilisierung im Brust- bzw.
Rückbereich bleibt erhalten, die Zughand läuft dicht am Körper entlang, Oberkörper geht
in eine leichte Drehung, sodass ein ca. 20 Grad Winkel entsteht zwischen Verlängerung
der Schulterlinie und der Bogenhand, Aufrichtung des Oberkörpers bleibt erhalten Pfeil in
ganzer Länge kommt in Sicht des Führungsauges.

8. „Das Zielen geschieht (von selbst) beim Hochgehen!“, d.h. während der Bogen geöffnet
wird, kommt das Ziel deutlich in den Blick, verdichtet sich, ein Moment der mentalen Ruhe
tritt ein, jetzt nicht an das Lösen denken. Dieses geschieht (von selbst) wenn die
Spannungshöhe erreicht ist, und zwar parallel mit dem Ende des Ausatems. In der
Atemstille.

9. Ankern. Im Idealfall wird der Ankerpunkt erreicht in dem Augenblick, in dem auch die
Bewegung mit der Bogenhand (Drücken) abgeschlossen ist, bzw. eine Atemfolge
abgeschlossen ist. Durch die Parallelität von Drücken und Ziehen wird die linke und die
rechte Schulter (Schulterblatt) gleichzeitig aktiviert. Die Mittel- oder Zeigefingerspitze
erreicht mit dem Ende des Ausatems (in der Atemleere) genau den Mundwinkel, der
Daumen kann seinen festen Platz finden unter der Kinnlade, die Zughand hat festen,
unverrückbaren Kontakt an der Wange. Im vollen Auszug überträgt sich die Kraft auf die
Rückenmuskulatur, Spannung baut sich weiter auf.

10. Lösen ist ein völlig passiver Akt. In der Atemleere entspannen sich die Finger, dabei
lösen sie sich nicht von der Wange, ziehen leicht und kontrolliert nach hinten und kommen
vor dem Ohr zum Stillstand.

11. Nachhalten „Den guten Schützen erkennt man am Nachhalten“. Die Spannung im
Körper ist noch deutlich zu spüren, verklingt jedoch langsam wie der Ton einer Glocke,
(Nachspüren) das Auge ist noch am Zielpunkt, je nach Atemtechnik erfolgt jetzt eine
Zwischenatmung) der Ausatem fließt, dabei Schultern sinken lassen.

12. Die Zughand löst sich von der Wange, die Bogenhand hat den Bogen bereits sinken
lassen und kommt im Bereich des Bauchnabels an. Dort findet auch die Zughand ihren
Platz, Ausatem ist zu Ende.

13. Gruppe kommt am Ausgangsplatz zusammen, gemeinsame Verneigung, Pfeile ziehen und gemeinsamer Rückgang, trifft auf eine bereits wartende Gruppe, begrüßt diese mit Verneigung und tritt auf die Seite.