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Lehrvortrag am ersten Tag eines Sesshins mit Zen-Meditation, Yoga und Zen-Bogenschießen | Altbäckersmühle.de – Zen Bogenschiessen

Der höchste Weg ist nicht so schwer, nur fern von Angst und
Wankelmut.

(Andere Übersetzung: frei von Vorlieben)

Shinjinmei

Dies ist der erste Vers aus einer Gedichtsammlung, bekannt unter dem Namen Shinjinmei.
Es ist der älteste Ch’an-Text (Japanisch Zen) aus dem 6./7. Jahrhundert und stammt vom 3. Chinesischen Patriarchen, Sosan.
Darin wird nicht nur die Essenz des Zen in sehr klaren Worten beschrieben, es wird gleichzeitig deutlich, wodurch wir uns das Leben oft so schwer machen, bzw. wie wir es uns etwas leichter machen könnten.
Mit dem heutigen Tag beginnen wir ein Sesshin und stehen damit am Beginn eines Weges. Unsere Übungen verstehen sich selbst als Weg, Do, der Weg.

Wir sprechen von dem Zendo, das ist ein Ort an dem eine bestimmte Form der Meditation, das Zazen, geübt wird. Oder von einem Dojo und meinen damit einen Ort, in dem ein Weg der Stille geübt wird. Das aufgerichtete Sitzen mit den drei Säulen des Zen: Haltung, Atmung, Bewusstsein, ist die erste Form unserer Übung.

 

Für manche die erste Erfahrung von konzentriertem Sein, mit dem Fokus auf den Atem, seinem Kommen und Gehen.
Ursprünglich kommt Do vom chinesischen tao oder auch dao, was ebenfalls Weg, innerer Weg, Weg des Geistes, bedeutet. Im japanischen wird der Begriff verwendet für Weg, Pfad, Grundsatz, Lehre, Philosophie, Methode und kommt besonders häufig vor im Zusammenhang mit den Kampfkünsten:

  • Bodo – Der Weg der Kampfkünste;
  • Bushido – der Weg des Kriegers, Ethik der Samurai;
  • Judo – der sanfte Weg;
  • Kendo – der Weg des Schwertes;
  • Aikido – der Weg mit Ki zu einer Einheit zu finden oder
  • Kyudo – der Weg des Bogens.

Wenn wir von KyuDo sprechen meinen wir damit die japanische Art des Bogenschießens, innerhalb eines bestimmten Systems und mit einem klassischen japanischen Langbogen und hat äußerlich wenig Vergleichbares mit unserer Übung.
Der Weg des Bogens ist jedoch nicht an einen bestimmten Bogen gebunden, oder an ein bestimmtes System, sondern ist eine Frage der geistigen Einstellung und somit grundsätzlich mit jedem Bogen praktizierbar, wobei die Bögen, mit denen wir üben, Reiterbögen oder traditionelle Langbögen, besonders hilfreich sind, weil sie frei sind von technischen Hilfsmitteln (z.B. Visier), die uns zum bewussten Zielen verleiten.

 

Nun kommt in unserer Übung hinzu, das Yoga oder der Yoga. Dass wir dabei das Do vermissen hat seinen Grund darin, dass es sich nicht um eine japanische Tradition handelt, sondern um ein aus dem indischen Kulturkreis stammendes System. Übersetzt heißt Yoga „Verbindung, Vereinigung, Anbinden“ und versteht den Körper als Fahrzeug, als Medium, um zur Einheit zu finden. Jedem von uns ist klar, dass wir uns dem nicht mit Knopfdruck, sondern durch Übung nähern können und damit wird deutlich: auch Yoga ist selbstverständlich ein Weg – ein Übungsweg.
Mit dem Begriff do bringen wir zum Ausdruck, dass diese Art des Bogenschießens, nicht ein Weg der Selbstverwirklichung, sondern der Selbsterfahrungen Schulung, bzw. Entwicklung unseres Bewusstseins ist.

Bei allem was wir tun, geht es um Weg, in dessen Zentrum eine Übung, das Einüben in eine bestimmte Form steht. Es geht dabei durchaus um die Form, um die Präzision in einer Übung, zentral geht es jedoch nicht um das Erlernen einer Fertigkeit, es geht überhaupt nicht darum, in einem Wettbewerb unsere körperlichen Kräfte oder technischen Fähigkeiten zu messen, sondern es geht um die Schulung des Geistes, um unseren Umgang mit unseren Mustern, unserem Ehrgeiz und Neid, unseren Schuldzuweisungen und Resignationen.

 

 

Wir müssen lernen, uns einzulassen auf die Form, müssen uns um Präzision bemühen, aber nicht, um ein Ziel zu erreichen, das man in Punkten, oder wie
auch immer, messen kann, sondern um uns wirklich kennen zu lernen. Das Ziel der Präzision ist also nicht das Ziel, sondern ist der Prozess. Erst wenn wir lernen, von allen Zielen frei zu werden und etwas tun, um des Tuns willen, ist Entwicklung offen und wir öffnen uns dem Geheimnis unseres Lebens.

Würden wir unsere Übung als Wettbewerb verstehen, stünde immer unser Ich im
Vordergrund, das etwas erreichen will und genau dieses Ich stünde uns im Weg, wenn es darum geht, den Weg als inneren Prozess des Reifens und Werdens zu verstehen. Es geht darum, „sich selbst zu vergessen“, wie Dogen Zenji sagt, denn nur so ist Öffnung, Prozess, möglich.

Wenn wir uns die Übungswege näher betrachten, entdecken wir unterschiedliche
Schwerpunkte, die wir so zusammen fassen können: beim Sitzen, beim Zazen, geht es um die Erfahrung von Stille, geht es um unser Haltung, um die Begleitung unseres Ein- und Ausatems, geht es um Loslassen unserer Gedanken und Gefühlen, um den Umgang mit Gestern und Morgen.

Beim Yoga geht es um Körpererfahrung in den Abläufen der Asanas. Körperliche
Grenzerfahrungen, aber auch ungeahnte körperliche Möglichkeiten. Ich habe
Bogenschießen beim Yoga gelernt, weil ich beim Yoga ein Körpergefühl entwickelt habe.

 

 

Diese Erfahrung ist ein Grund, warum wir ganz bewusst, Bogen und Yoga anbieten. Und beim Bogenweg sind wir in der Natur mit allen Ablenkungen und Herausforderungen, sind wir in der Auseinandersetzung mit dem Ziel, aber auch mit den mit uns Übenden, in der Beachtung und Einhaltung der einzelnen Übungsschritte, usw.

Alle drei Wege prägen, und sind eingebunden in eine klare Tagesstruktur, in rituelle Formen, die uns helfen können, uns fallen, bzw. einzulassen auf das Jetzt.
Gemeinsam ist den Wegen, die Koordination der Atmung, die Konzentration auf die Haltung und ein waches Bewusstsein, denn nur dieses ermöglicht uns, die Einheit von Tun und Sein zu erleben, sodass wir mit unserem Tun den Weg verwirklichen, zeigen, mit ihm eins werden, sodass wir Weg sind. „Ich bin der Weg“, sagt Jesus und genau darum geht es. Ich bin nicht getrennt von dem, was ich tue. Das hört sich so einfach an, ist jedoch die größte Herausforderung, weil unser Leben ganz oft anders verläuft. Do, der Weg, wird
damit zu einer bestimmten Art zu leben und kann darum niemals enden. Do wird zu einer Aufgabe, die zu einer ständigen wunderbaren Begleitung wird, egal wo wir sind und was wir tun. Do endet nicht, wenn die Übung endet, denn die Übung endet nie, ob beim Gehen, beim Essen, bei der Arbeit, auf der Toilette, beim Zähneputzen. Es ändert sich nur die Form unserer Übung. Richtig verstanden und richtig gelebt, geht es immer darum, in der Fülle und der Klarheit dieses Augenblicks zu sein, ohne Wenn und Aber!
Nun stehen wir heute am Beginn eines Weges. Vielleicht zum kennen lernen, nur für diese 3 ½ Tage, vielleicht für eine längere Wegstrecke, vielleicht für ein ganzes Leben und wir laden euch ein, euch für diese Zeit ganz und gar darauf einzulassen, um die Herausforderung, und die Schönheit und Erfüllung, zu entdecken.
Auf diesem beschriebenen Hintergrund wird verständlich, wenn das Shinjinmei von diesem Weg als „erhabenen“, oder „höchsten“ Weg spricht. Ungetrennt in der Gegenwart sein, ist der „höchste Weg.“

Aber der Text zeigt uns auch die Hindernisse:
Der Weg ist dann nicht schwer, wenn er frei ist von „Vorlieben.“ Was ist damit gemeint?
Übersetzen wir „Vorlieben“ einmal mit: „ich mag“, oder mit „ich mag nicht“, dann sind wir bei den Vorlieben. Und da können uns eine ganze Menge Dinge begegnen, die zu Stolpersteinen werden: der strukturierte Tag, das Schweigen, die Formen innerhalb des Zendo, Rezitationen, Niederwerfungen, das Essen, das Zimmer, die Gruppe, die Lehrer, und überhaupt… Aus dem „ich mag“, kann eine überschwängliche Begeisterung werden, die uns den Blick in die Tiefe verwehrt, aus dem „ich mag nicht“ entsteht die Ablehnung, die mir neue Erfahrungen unmöglich macht. Wenn wir uns den Gefühlen von „mag“ oder
„mag nicht“, überlassen, sind wir getrennt von unserem Tun. Wie schwer machen wir uns das Leben mit unseren dauernden Zuneigungen und Abneigungen, unseren Ängsten und unserem Wankelmut, unseren Urteilen und Vorurteilen, entstanden aus Erfahrungen und dem ganzen Paket unserer Sozialisation. Wie schwer machen wir es uns mit unseren Regeln und Konditionierungen. Das heißt ja nicht, dass ich mich nicht freuen darf, wenn eine Übung auf Anhieb gelingt, heißt auch nicht, dass ich nicht zur Kenntnis nehmen darf, wenn ich an einer Stelle extreme Schwierigkeiten habe, aber merkt ihr den Unterschied?

„Das mag ich nicht“ oder „das fällt mir schwer“. Beim einen „mag ich nicht“, ist die Türe zu. Schluss, Ende! Beim anderen stehe ich zu meinen Grenzen und bin bereit, darüber hinaus zu gehen. Ich belüge mich nicht, ja, „es fällt mir schwer“, ermöglicht den nächsten Schritt.

Der Weg zu Freiheit und Offenheit, Weite, ist jenseits von mögen und nicht mögen ist frei von Angst und Wankelmut.
Es geht also darum, wahrzunehmen was ist. Das ist die Lehre Buddhas. . „Anschaulich ist diese Lehre, sie wirkt nicht erst nach dem Tode, sie lädt zum Schauen ein“
Damit beantwortet Buddha die Frage: wohin führt mich dieser Weg? Die Antwort lautet: er führt in die Fülle des Lebens, mit allen Höhe und Tiefen, er führt in die Einheit des Seins, verwurzelt und getragen im Urgrund aller Wesen.
Wir wünschen uns sehr, dass ihr in diesen Tagen eine kleine Ahnung davon bekommt, oder bisherige Erfahrungen vertiefen könnt.